Jan: Seid gegrüßt ihr Krachmacher! Aller Anfang ist bekanntlich schwer, muss aber auch bewerkstelligt werden - also stellt euch samt eure Kapelle dem geneigten Leservolk bitte erst einmal kurz vor!
Hallo allerseits!
Wir sind Jörn und Evandro (die „Sänger"), Klauß (der Tieftönerer), August (der Trommler) und Schun (der Hochtönerer) und poltern nun in dieser Besetzung seit ungefähr einem Jahr zusammen. Die Band existiert unter dem Namen skr8 aber schon seit 1999. Die Richtung der Musike kann man in die Grind - Crust- Trash - Schublade packen, wenn man will. Da wir in verschiedenen Städten ( Halle, Berlin, Wittenberg) wohnen, kann man gar nicht so genau sagen wo wir herkommen.
Jan: Ich denke, dass sich jedes Bandmitglied einer Kapelle mit der selbst fabrizierten Musik sowie den verarbeiteten Texten identifizieren können und sich folglich auch möglichst aktiv in das Songwriting integrieren sollte. Wie verhält sich diese Zusammenarbeit bei Skr8 - gibt es einen kleinen Bandhitler, der für Texte und Musik zuständig ist oder beteiligen sich alle fleißig an dem, was uns anschließend die Lauscher wegbläst und zum Grübeln anregt?
Schun:
die Musik kommt meistens so zustande, das irgendjemand von uns ne Idee für ein Riff mit zur Probe anschleppt und wir dann zusammen das Ding komplettieren. Da hat dann jeder die Möglichkeit seine Ideen einzubringen und umzusetzen. Es sind da eigentlich alle an diesem Prozess beteiligt. Die Texte schreiben hauptsächlich Jörn, Evandro und ich und einige sind auch noch von früher, von unserer damaligen Schlagzeugerin Heiker übriggeblieben. Die Texte werden dann auch bei Bedarf diskutiert, bevor wir sie verwenden aber das kommt selten vor. Momentan basteln wir an einem Song, der wird portugiesische Lyrics haben, sozusagen in der Muttersprache von Evandro. Einen Bandhitler gibt's bei uns eher nicht.
Jan: Mittlerweile sorgen Skr8 auch schon seit einigen Jährchen für den nötigen Highspeedweltuntergangssoundtrack in deutschen wie auch ausländischen Clubs. Nachdem ihr nun so oft euer Können live darbieten durftet, würde mich an dieser Stelle einmal interessieren, mit welchen Schuppen ihr besonders gute oder eher wenige positive Erfahrungen verbindet…
Schun:
ich kann mich eigentlich gar nicht an irgendeinen Scheiß- Club erinnern. Mir persönlich gefallen die kleinen Läden am besten. Der lustigste Gig war in diesem Sommer auf jeden Fall in Jilhava in Tschechien. Das war ne Garage, der Proberaum von prumyslova smrt und dort haben wir mit dkh gespielt. Wir sind halb 10 angekommen und es hatten beide Bands knapp15 Minuten um zu spielen, da die nur bis zehn machen dürfen. Vom ersten Ton an war in der Garage der Bär am steppen, obwohl niemand uns dort kannte. Spannend finde ich eigentlich immer am meisten, wenn man neue Bands und Leute kennen lernt, Kontakte knüpfen kann und einfach mal unterwegs ist, andere eindrücke aufnimmt, wie sind die Leute drauf, was gibt es für Probleme in den Städten undsoweiter.
Klauß: Ich hab auch sofort an diesen Gig gedacht. So eine intensive halbe Stunde hab ich glaub ich selten erlebt. So richtig beschissen lief es für uns in Merseburg. Wir wollten ein Intro abspielen was nicht funktionierte, Gitarre fiel ständig aus, Einsätze haben nicht gepasst und überhaupt haben wir saumäßig schrecklich gespielt. Da konnten aber die Leute in Merseburg nichts für. Zum Glück haben das nur die Musiker der anderen Bands gesehen und DAFÜR konnten die Merseburger was!
Jan: Bislang habt ihr eine knappe Handvoll an Demotonkonserven sowie eine Split-EP mit Verge on reason unter das pöbelnde Punkervolk geschmuggelt. Warum hatten ausgerechnet die Jungs von Verge on reason die Ehre, sich ein Vinylscheibchen mit euch zu teilen und warum ist bislang noch kein komplettes Album von euch veröffentlicht worden, zumal ja genügend Songmaterial am Start sein dürfte? Plant ihr, in absehbarer Zukunft einmal eine LP herauszubringen?
Schun: mit verge on reason haben wir vor ein paar Jährchen das erste mal zusammengespielt und uns gleich auf anhieb total gut verstanden, dann öfters zusammen gespielt. Und da gab es dann bald die Idee zusammen ne Veröffentlichung zu machen. Mit einer Lp- Veröffentlichung sieht es real gesehen in naher Zukunft wohl eher nicht so aus, da erst mal Aufnahmen dafür gemacht werden müssten. Das bedeutet Zeit, die wir kaum haben, da einige von uns Arbeit und Schule haben und wir eigentlich froh sind, wenn wir mal zum proben kommen. Das ist halt auch ein komplizierter Fakt, da August in Berlin wohnt und Klauß in Wittenberg. Wir proben seit einigen Jahren in Bitterfeld, wir müssen vierzig bis fünfzig Kilometer fahren wenn wir proben wollen. Da ist es schon manchmal ein kommunikativ-organisatorischer Kraftakt eine Probe zu organisieren. Aber bis zum Sommer haben wir es hoffentlich mal geschafft genug Material für eine Lp oder eine Split -Lp aufzunehmen.
Klauß: Material für eine LP ist sicherlich genug da, nur ist die Frage, ob wir auch immer noch mit den Stücken von vor 1-2 Jahren zufrieden sind. Die Umbesetzungen tun ihr übriges dazu. Erst fehlt uns Jörn, weil er mit No Rest tourt, als er wieder da ist steigt Brauni aus, dann proben wir ohne zweiten Sänger bis schließlich Evandro diese Rolle übernimmt. Genau genommen haben wir an diesen Punkten jeweils von vorne begonnen. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir uns jetzt in Ruhe neuen Sachen widmen können und vielleicht ist dann nächstes Jahr wirklich mal ne LP im Bereich des Möglichen. Wie das aber finanziell geregelt werden könnte, ist mir im Moment noch unklar. Wir werden sehen.

Jan: In eurem Song mit dem Titel „Weg den Dreck" sagt ihr kurz und knapp, was ihr für die Vertreter der braun gesinnten Spezies empfindet. Wie aktiv treten diese geistigen Bruchpiloten in Halle und Umgebung in Erscheinung?
Jörn:
die Naziszene in halle hält sich, bis auf die Thainahme an Aufmärschen, zur zeit zurück. Der rassistische und nationalistische Aktivbürger ist in halle allerdings genauso präsent wie anderswo auch und ist nicht weniger gefährlich als bekennende Nazis. Und durch Kampagnen, wie "du bist Deutschland" (kotz würg.......) , Deutschquote und gedenken der nationalen "Opfer" wird dieses Bewusstsein auch noch von staatswegen gefördert.
Jan: In dem Track „Pazifist" bin ich auf die Textzeile gestoßen „denn ich bin ein Pazifist". Auch wenn ich als friedliebender Mensch Gewalt verabscheue, so denke ich jedoch, dass es Situationen gibt, in denen Mensch sich zur Wehr setzen muss und in denen kein Weg an Gewalt vorbeiführt, da manche Holzhirne einfach keine andere Sprache zu verstehen scheinen. Wie steht ihr zu militantem bzw. friedlichem Widerstand? Wann denkt ihr, ist Militanz ein gerechtfertigtes Mittel?
Jörn:
ich lehne Gewalt gegen Menschen (und Tiere) ab, denn sie ist immer ein Ausdruck von Sprachlosigkeit und wird begleitet vom totalen Machtanspruch in seinen verschiedenen formen (Bestrafung, Einschüchterung, Vertreibung u.s.w.). Ängste sollen erzeugt werden und Gegenstimmen unterdrückt. Selbstverteidigung, als Reaktion auf diese Gewalt, ist leider ein Teil dieser spirale, kann allerdings nicht immer vermieden werden. Sehr oft ist aber nicht klar, wer Angreifer und wer Verteidiger ist und was überhaupt angegriffen beziehungsweise verteidigt wird (Nahost-Konflikt, Irakkrieg, religiösmotivierte Gewalt u.s.w.).
Boykotte, Blockaden und Sabotagen halte ich für die einzigen sinnvollen und effektiven Widerstandsformen. Sie bieten die kreativsten Möglichkeiten, widerstand zu leisten.
Klauß: Den Text von "Pazifist" kann ich, auch wenn er nicht von mir kommt, voll und ganz und gar unterschreiben. Denn ich bin ein Pazifist.
Jan: Mit eurem Stück „Scumparade" liefert ihr ein deutliches wie meiner Meinung nach auch berechtigtes Statement gegen den Trottelauflauf namens Loveparade ab. Wie denkt ihr jedoch allgemein über andere Kulturen, wie z.B. Hip Hop, Techno, Gothic oder Heavy Metal?
Jörn:
der Song richtet sich nicht gegen Leute, die vorzugsweise Techno hören .Es geht in dem Lied um die Wahllosikeit der Loveparade und ähnlicher Veranstaltungen.
Musik muss mir gefallen, egal aus welchem Genre sie kommt. Diesen aufgesetzten, identitätsstiftenden Maßnahmen, wie Dresscode und irgendwelchen Pseudophilosophien kann ich allerdings nichts abgewinnen. Das schmeckt einfach zu widerlich nach elitärem Führungsanspruch und hat nicht das leiseste mit Gesellschaftsveränderung zu tun.
Klauß: Sicherlich hat doch jeder dieser Jugendkulturen ihre Daseinsberechtigung. Nur weil wir Punkrock o.ä. hören, erhebt uns das ja nicht über beispielsweise die Techno-Hörer. Aber an dem Punkt, wo bei Veranstaltungen der entsprechenden Musikrichtung die Leute anfangen nur noch das Getränk mit dem Stier zu trinken, der eine oder andere Mobilfunkanbieter sein Fähnlein in den Wind hängt, möglichst noch Käppis und Armbänder verteilt und einzelne Veranstaltungen Namen von Firmen tragen (die sich damit ein entsprechendes Image erwerben möchten?) usw., verwandelt sich der Hörer XY zu Trottel XY, der wahrscheinlich nicht mal mitbekommt was da mit ihm geschieht. Da haben wir den Trottelauflauf, den Scumparade beschreibt und der mitnichten NUR in der Technoszene auftritt.
Schun: was meinen Musikgeschmack betrifft bin ich da eher festgefahren auf grind-crust-trash Kram, habe aber auch viel für Punkrock und Hardcorepunk übrig. Die anderen oben genannten Richtungen interessieren mich kaum bis gar nicht, meistens steht das kommerzielle Interesse im Vordergrund, Starkult und sind in den Aussagen eher belanglos für mich.
Jan: Euer Song "Idiotokratie" greift u.a. die Thematik der Wahlen auf. Viele Menschen meines Umfelds würden am liebsten nicht wählen gehen, hoffen andererseits aber darauf, sich mit der Abgabe ihrer Stimme wenigstens für das „kleinere Übel" zu entscheiden, wobei sich letztendlich weiterhin nur alles zum Negativen wendet. Wie denkt ihr über Wahlen und Formen des Wahlboykotts?
Jörn:
ich halte das parlamentarische System in diesem Land aus verschiedenen gründen für unbrauchbar und gehe nicht wählen. Die Stimmenabgabe hat, im wahrsten sinne des Wortes, einen entmündigenden Charakter, denn nach der Wahl haben die Wähler/innen keine Möglichkeit mehr in den Entscheidungsprozeß der Regierung einzugreifen. Auch die Stimmenenthaltung halt ich für sinnlos, da sie ein Teil des Wahlmodussees ist und somit keine ernsthafte und wirksame protest-/Widerstandsform sein kann. Mir fällt auch beim besten willen kein/e Mensch/Partei ein, von dem/der ich regiert werden möchte. Auch nicht von der appd, der Partei (Titanic) oder sonst wem. Und ne Partei zu wählen "damit sie ne starke Opposition ist", ist ja wohl lächerlich, da auch sie ein Teil des Systems ist. Davon mal abgesehen, ist es nicht schon bescheuert genug ne Partei zu wählen, von der Mensch glaubt , dass sie sowieso nicht gewinnt?
Schun: ich wähle seit einigen Jahren ungültig, da ich auch keinem kleineren übel meinen Zuspruch geben kann. Das bedeutet für mich Zustimmung. Siehe Berlin- es werden mit Beschluss einer rot -roten Mehrheit Häuser geräumt. Du kannst dir somit einzig und allein aussuchen, wer dir den weg zur Schlachtbank ebnet. Meine ungültig stimme gebe ich einzig und allein aus dem Grund ab, weil es ein Statement ist, dass ich die Wahl nicht anerkenne und mir der Staat und seine Knechte den Buckel runterrutschen können. dass das jemanden interessiert, glaube ich aber nicht.
Jan: Ihr covert von No Rest den Song „God bless you". Warum habt ihr euch gerade für diese Band, warum ausgerechnet für diesen Song entschieden und welche Thematik wird darin behandelt?
Schun:
god bless you ist kein coversong von no rest. Den Text hat aber der Drummer von no rest geschrieben, als er bei einer unserer proben war und wir einen brauchten. Santiago ist übrigens heute mit unserer damaligen Trommelfrau Heiker verheiratet und die beiden leben zusammen in Brasilien und haben ein Kind. Mit no rest haben wir auch einige konzis gespielt, als sie auf europa-tour waren. Jörn hat bei no rest 2004 für ein halbes jahr für deren südamerika und Europa- tour bass gespielt .
Jan: Nehmt bitte kurz Stellung zu folgenden von euch stammenden Songs:
>Jung, dynamisch und PC:

Schun:
es gibt zu viele dogmatische Szenepolizisten, Moralapostel und Leute die die Zeigefinger heben. Jeder Mensch ist eben unterschiedlich und hat auch eigene träume, wünsche, Bedürfnisse anderen Humor undsoweiter und ist nicht primär einer Szene angehörig und dann erst Mensch, sondern umgekehrt. Grade in einer Szene, die sich Freiheit, Selbstbestimmung und Anarchie auf die Fahnen schreibt, ist es meiner Meinung nach nicht angebracht, sein leben nach dogmatischen Verhaltensregeln zu gestalten. Tu was du willst und sieh zu, dass du niemanden damit schadest sollte das einzige Gesetz sein...
>Keine Hoffnung:
Jörn:
solange wir uns unsere eigene Sozialisation nicht bewusst machen und hinterfragen und unsere Konditionierung nicht durchbrechen, solange werden wir uns von falschen Moral- und Wertevorstellungen und Konventionen lenken lassen. Freiheit muss losgelöst von diesen veralteten Vorstellungen definiert werden und solange das nicht geschieht, gibt es keine Hoffnung auf ein besseres leben.
>Halzeimer:
Schun:
eine Abrechnung mit dem blinden Konsumverhalten und der daraus resultierenden Zufriedenheit. Arbeiten,fressen,scheißen und fernsehen reichen vielen Leuten, um glücklich zu sein. Uns nicht!
>Schweinepriester:
Schun:
der Text geht um die lüge im allgemeinen. Wenn ich an dieser stelle mal assück zitieren darf: „take the „f" out of life and you have the truth"
Jan: Mich würde einmal interessieren, ob ihr vor eurem Wirken bei Skr8 schon in anderen Bands Erfahrungen gesammelt habt oder euch nebenbei noch in anderen Kapellen engagiert. Von Schun weiß ich z.B., dass er ganz früher einmal bei DAT (Keine Angst, ich fange jetzt nicht an, die ollen Kamellen zu zitieren, hähä…), später bei Murdered Cops und Chemieverseucht aktiv war…
Schun:
Jörn, Klauß und ich haben bei den Turnbeutels mitgemacht und August war bei Murdered Cops damals Drummer. Evandro hat etliche Jahre, bevor er nach Deutschland gekommen ist, bei der brasilianischen Death -Grind - Truppe Necroterio Bass gespielt.
Klauß:
Angefangen hab ich '93 bei DAT. Parallel dazu liefen zeitweise ein Hardcore- und ein Asselpunkprojekt, die allerdings keine allzu große Rolle gespielt haben. Nach dem Ende der Turnbeutel hab ich vielleicht noch ein halbes Jahr bei Rabazza (ähnliche Besetzung wie heute mit Heiker am Schlagzeug) mitgespielt, bevor sich unsere Wege für vielleicht zwei Jahre trennten, in denen musikalisch nix für mich lief. Durch einen dummen Zufall bin ich jetzt auch schon wieder fast drei Jahre dabei. Na ja ne Leiche im Keller hab ich noch. Das war ne richtige Rockband, deren Ziele wohl etwas anders gelagert waren als meine. Die Proben und das Rumprobieren haben riesig Spaß gemacht aber letztendlich hat mich das ganze Drumherum zu sehr genervt, so das ich ausgestiegen bin.
Jan: Ich habe irgendwann irgendwo einmal aufgeschnappt, dass ihr die Strapazen einer Tour durch Kroatien auf euch genommen habt. Was könnt ihr uns von dieser kleinen Reise spannendes berichten?
Schun:
mit skr8 waren wir noch nicht in Kroatien. Mit Chemie verseucht habe ich 2004 auf dem jadria-punk fest in sibenik gespielt. Tolles Open Air, das einzige übrigens in Kroatien, das ohne security auskommt.
Klauß: Für den jeweiligen Fahrer wars in der Tat strapaziös, allerdings waren wir nicht in Kroatien sondern in Tschechien, Österreich und zum Schluss in Jena und Erfurt. Das Tagesprogramm lief dann so ab: Autofahren, schlafen, spielen, wieder schlafen und dann irgendwann weiter autofahren. Aber zwischendurch hat's echt Spaß gemacht und man lernt natürlich jede Menge Leute kennen.
Jan: Als noch Honecker das ostdeutsche Zepter der Macht in seiner greisen Zitterpranke hielt, war euer Heimatort Halle ein wichtiger Knotenpunkt, was die damalige Punkszene angeht. Wie ist es diesbezüglich um die heutige Lage unseres Chaotenhaufens bestellt? Welche nennenswerten Combos, Clubs und Fanzines treiben in eurer Region ihr Unwesen?
Schun:
Ja, dass Halle mal ein wichtiger Knotenpunkt war ist wohl wahr. Allerdings bekommt man da heute nicht mehr allzu viel von mit. Es gibt hier aber schon noch Punkkonzerte, zum Beispiel machen die Reil 78 und das VL in Halle unkommerzielle Veranstaltungen mit Punk- und Hardcoremucke. Dort machen unter anderem auch Jörn und ich mit. Dann gibt's das Minikino LA BIM und das GIG, die machen ab und an mal Konzis. Und die Rockstation haben wir hier noch, wo aber meist der alternative Kram sein Podium findet. Auf Radio Corax gibt's ne Punksendung, die echt klasse ist, namens SUBJEKTIV. Von Fanzines ist mir hier nix bekannt, mal abgesehn von so Egoschriften, die ab und zu mal rumliegen. Punkbands, die ihr Unwesen treiben wären z.B. Chemie Verseucht oder die Klabusterbären. Ansonsten fällt mir zu Punkrock in Halle nicht viel ein.
Jan: Wenn ich gelegentlich die derzeitige Situation der hiesigen Punkszene etwas genauer unter die Lupe nehme, werde ich hinsichtlich des Verhaltens einiger angeblicher „Punks" recht traurig - Sexismus, Patriotismus, Dummheit und Ignoranz haben leider auch in unsere Szene Einzug gehalten. Was geht euch bezüglich der Punkszene am stärksten an die Nieren?
Klauß:
Dummheit, gepaart mit unglaublichem Mitteilungsbedürfnis. Dauersuff, gepaart mit Dummheit und unglaublichem Mitteilungsbedürfnis. Faschistoide "Späßchen", gepaart mit Dauersuff, Dummheit und unglaublichem Mitteilungsbedürfnis. Und das Ganze so laut wie möglich.
Schun:
ich denke in jeder Subkultur gibt's blöde Idioten, die den Knall nicht gehört haben. Eine Punkszene, die von der Wand bis zur Tapete denkt, rückschrittlich und nicht fortschrittliche aussagen hervorbringt, ficken und saufen zum alleinigen Lebensinhalt erklärt, ist nicht meine Szene. Meine Szene ist mein Freundes- und Bekanntenkreis, in dem ich mich bewege und der ist eher aktionär und nicht reaktionär.
Jan: Jörn und Schun haben gegen Ende des Jahres 2004 die Urban-Nightmare-Tapeshow ins Leben gerufen. Wodurch wurde damals diese Schnapsidee hervorgerufen? Wird eure Sendung auch live, z.B. über einen offenen Kanal gesendet, oder ist dieser unterhaltsame Spaß nur auf Tape erhältlich, erscheint eure Show regelmäßig und plant ihr, dieses Projekt fortzusetzen? Fragen über Fragen und nur ihr kennt die passende Antwort…
Schun:
ja das mit der Tapeshow war ne Idee, die entstand, als Jörn und ich mal nachgedacht haben ein Fanzine zu starten. Da wir beide aber kaum Zeit haben dafür, dachten wir an diese Geschichte. Ich kannte diese Form der Unterhaltung von früher noch, das war die Bad Taste Tapeshow und habe aber nie wieder was in der Form gehört oder gesehen. Dann kam hinzu, dass wir das Tape als Format für Mucke ziemlich spannend finden, es da auch Kreise gibt, die d.i.y.- Tapes fabrizieren und vertreiben. Es ist halt so was wie ein Sampler, der auch noch Informationen bereithält und ein Stück Unterhaltung darstellt. Das ganze ist auch so gedacht, dass man s selbst verbreiten kann, also Tapelabels und dergleichen, Leute, denen das Projekt Spaß macht, sind hiermit aufgerufen uns dabei zu unterstützen. Wir selbst machen von jeder Tapeshow fünfzig Exemplare. Wir haben Weihnachten 2004 mal nen Versuch gestartet, welcher dann die erste Ausgabe war und bei vielen Leuten gut angekommen ist. Eine Live-Sendung hätte auf dem freien Regionalsender Radio Corax zustande kommen können, würde aber in Stress ausarten, da wir beide viel um die Ohren haben. Inzwischen gibt es drei Teile, welche unsere Favoriten der letzten Zeit und die unserer Gäste vorstellen.
Jan: In Leipzig hat sich innerhalb der vergangenen Zeit eine recht große antideutsche Szene ausgebreitet. Ich stehe der Ideologie dieser USA- und Israelnahen Gestalten allerdings sehr kritisch, ja gar ablehnend gegenüber. Wurdet ihr schon einmal mit dieser Weltanschauung z.B. in Form einer Diskussion konfrontiert und wie denkt ihr über diese Ideologie?
Jörn:
die antideutsche Debatte, als Reaktion auf die Wiedervereinigung, ist die konsequenteste und radikalste Auseinandersetzung mit Deutschland und seinen neugeweckten Großmachtbestrebungen innerhalb der linken gewesen. Und die Befürchtungen der Initiatoren dieser Debatte haben sich leider bewahrheitet. Deutschland hat (wegen Auschwitz) in Jugoslawien einen Angriffskrieg geführt, sich allerdings (höchstwahrscheinlich auch wegen Auschwitz) nicht am Irakkrieg beteiligt, betrauert jährlich und feierlich die nationalen "Opfer" des zweiten Weltkrieges und spricht dabei immer noch von Besiegten statt von befreiten. Also, schön die eigene Vergangenheit verklären, hat ja eh keiner was gewusst. das war ja alles dieser Hitler. und der-war-ja-aber-auch-nur-ein-Mensch-gebrabbel a la "der Untergang" ist ja wohl das letzte. sich endlich wieder positiv auf Deutschland beziehen können ohne sich von diesen "Scheiß Juden" die Stimmung kaputt machen zu lassen, ist eine weit verbreitete Stimmung im Land. Es stimmt einfach, die deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen. In den letzten Jahren hat diese Bewegung allerdings ihren radikalen Charakter verloren und dazu geführt, dass sich viele Splittergruppen gebildet haben, welche zum Teil wirklich krude Ansichten vertreten (Veganer sind automatisch Antisemiten, USA = Antifa u.s.w.). Ich finde diese Debatte aber wichtig, auch wenn es immer wieder einige ausfälle gibt, und hoffe, dass sie weitergeführt wird.
Schun: man bekommt ja seit geraumer zeit da Sachen zu lesen oder zu hören. In meinem Freundeskreis gibt es keine Leute, die dieser Bewegung anhängen. ich kann mich mit dieser Form von kritischer Auseinahndersetzung auf gar keinen Fall identifizieren. Das geht los mit Kriegen, die gerechtfertigt, weiter mit Nationalstaaten, die verehrt, und hört auf damit, dass Kapitalismus und Globalisierung für notwendig und in Ordnung befunden werden. Dann basiert das ganze auf dem „bist du nicht für uns- bist du gegen uns-Prinzip". Man wird mal schnell zum Antisemiten erklärt, wenn man mit der Weltpolitik der usa nicht einverstanden ist. Davon halte ich überhaupt nichts, da es zusammenhangslos und an den Haaren herbeigezogen ist. Ich mag auch nicht, wenn ich auf einer Demo bin, Israel-, Palästina- oder usa- oder weiß der Geier was für flaggen hinterherzulaufen. Und zu mc Donalds: ich hasse es!!!
Klauß: Ich kann mit derlei Pauschalisierungen nichts anfangen, finde es blöde und bin damit zum Glück noch nicht weiter konfrontiert worden.
Jan: Ich habe in letzter Zeit sehr intensiv über meinen eigenen Alkoholkonsum, aber auch den allgemeinen Drogengebrauch meines gesamten Freundeskreises nachgedacht und demzufolge die Konsequenz für mich gezogen, in Zukunft meine persönliche Gerstensaftvernichtung noch weiter zu reduzieren. Wie steht ihr dem Konsum von Drogen - ganz gleich welcher Art - gegenüber und wie denkt ihr über die Straight Edge-Bewegung?
Klauß:
Ich hab weder das Recht noch Lust, jemandem vorzuschreiben was und wie viel er versäuft, verqualmt... . ebenfalls hatte ich nie das Bedürfnis überall Kreuze hinzumalen, als ich nichts trank. Niemand wird automatisch ein besserer Mensch, wenn er seinen Weißichwaskonsum einstellt. Er wird auch kein schlechterer, wenn er wieder anfängt. Die Frage ist für mich eher: Wo hört der "bewusste" Konsum auf? Wie viel darf ich trinken um trotzdem noch in der Kategorie "bewusst" zu bleiben? Gibt es überhaupt "bewussten" Konsum? Vielleicht könnten wir bei ein, zwei Bier darüber abendfüllend diskutieren? Das Thema ist wichtig und gibt in jedem Fall mehr her als ich hier Platz zum schreiben habe.
Schun: Ich denke, jeder Mensch sollte selbst entscheiden was er für sein Leben für gut empfindet und für richtig hält. Drogen spielen da halt auch eine Rolle. Viele Menschen kommen aber mit ihrem Konsum nicht klar, werden aggressiv oder fangen an sich selbst aufzugeben. Das ist dann die Gefahr. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Drogen dazu da sind, Geld mit der Sucht von Menschen zu verdienen und sie zu manipulieren. Das gilt für Zigaretten ebenso wie für Alkohol oder Heroin. Ich selbst trinke manchmal zu viel Bier und Kaffee und rauche. Die Straight Edge - Bewegung war mir eigentlich schon immer fremd - sicher eine gutgemeinte Idee aber inzwischen auch zu sehr von Besserwissern und Verhaltenswegweisern durchsetzt. Wie gesagt - es muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn man auch oder ohne Drogen Spaß haben kann.
Jan: Erst gestern habe ich wieder eine Dokumentation über die derzeitig anhaltenden Krawalle in Frankreich gesehen. Sicher ist die Berichterstattung der Medien in diesem wie eigentlich auch jedem anderen Fall manipuliert. Allerdings bin ich doch ziemlich geplättet, was diese blinde Zerstörungswut der Kids unseres Nachbarlandes angeht. Wo sind eurer Meinung nach die Ursachen für diese Riots zu suchen und wie denkt ihr darüber? Glaubt ihr, dass auch in Deutschland eine ähnliche Situation eintreten könnte?
Klauß:
Ich konnte zu Beginn ein kleines Grinsen nicht verleugnen, was nicht heißt, dass ich Krawalle des Krawalls zuliebe befürworte. Im Gegenteil! Aber letzten Endes scheint es ja schon so eine Art Rechnung zu sein, die dort beglichen wird. Nur was ist bis heute dabei rausgekommen? Man hört nix mehr, also ist wohl wieder alles Friede, Freude Eierkuchen? ! Was haben wir alle daraus gelernt? Ob das "bei uns" passieren kann? Ich denke, das ist ein Massenphänomen, das nicht vor Landesgrenzen Halt macht. Die Geschichte und die Gegenwart zeigen uns, wie Menschen für oder gegen etwas mobilisiert werden können.
Schun: Das liegt wohl eindeutig an der Gettoisierung der Menschen in soziale Randgebiete und der Sonderbehandlung vom Staat und seinen Schergen, die vor allem die Leute, die in diesen Ghettos leben zu spüren bekommen. Dass das Maß irgendwann voll sein kann, haben uns die Krawalle in Frankreich gezeigt. Dass es dann zu so einer Kettenreaktion kommt, war fast abzusehen. Das ganze ging ja los, nachdem bekannt wurde, dass zwei Kids von den Bullen zu Tode gehetzt wurden. Da ist es auf alle Fälle nachzuvollziehen, dass es daraufhin zu Krawallen kommt. Fraglich ist aber, ob die Rechnung dafür auch die dafür Verantwortlichen bekommen haben. Denn meines Wissens haben die Kids gerade auch in ihren eigenen Ghettos gewütet und von daher weiß ich nicht so recht was ich davon halten soll. Dass es in Deutschland mal zu einer solchen Situation kommen könnte, würde ich nicht ausschließen.
Jan: Now it`s your last turn - Zeit sozusagen, um letzte Worte, Verwünschungen, Liebeserklärungen und dergleichen in die weite Welt hinauszuposaunen…
Danken möchten wir in erster Linie dir, Jan für deine Fragen, sowie allen Leuten die skr8 in den Jahren, in welcher Form auch immer, unterstützt haben. Grüße und Küsse gehen an alle Freundinnen und Freunde!